Die Schadenquote ist für Versicherungsunternehmen eine wichtige Kennzahl zur Betrachtung der Rentabilität und damit auch Grundlage der Beitragskalkulation. Sie kann für einzelne Versicherungsverträge, alle Verträge einer Kundenverbindung oder für bestimmte Versicherungsbestände berechnet werden, zum Beispiel für die Kraftfahrtversicherung insgesamt, für die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung oder für die Kaskoversicherung.

Teilt man die Schadenaufwendungen (Zahlungen und Rückstellungen für noch nicht vollständig regulierte Schäden) durch die Beitragseinnahmen im selben Zeitraum und multipliziert das Ergebnis mit 100, erhält man die Schadenquote in Prozent. Eine Quote von 100% würde also bedeuten, dass die gesamten Beitragseinnahmen für Schadenfälle ausgegeben werden. Im Rechnungswesen und Controlling wird die Schadenquote üblicherweise für das Geschäftsjahr berechnet. Im operativen Bereich wird dagegen ein mehrjähriger Zeitraum zugrunde gelegt, zum Beispiel fünf Jahre, um zufällige Schwankungen und einzelne Großschäden zu eliminieren.

Die exakte Definition kann sich abhängig vom beabsichtigten Zweck der Berechnung und von den internen Richtlinien des Versicherers unterscheiden. Steuerungsrelevant ist in der Regel die Bruttoschadenquote (vor Berücksichtigung einer Rückversicherung), während die Nettoschadenquote (nach Abzug der Rückversicherung) für die Verhandlung der Rückversicherungskonditionen benötigt wird. Im Nenner der Quotenberechnung ist zu unterscheiden zwischen gebuchten Beiträgen, die im Wesentlichen den Beitragszahlungen des Versicherungsnehmers entsprechen, und den verdienten Beiträgen, die um eine zeitliche Rechnungsabgrenzung korrigiert werden. Im Zähler können Schadensaufwände nur aus dem jeweiligen Geschäftsjahr berücksichtigt werden. Dann fallen allerdings oft sehr hohe Abwicklungsgewinne der Folgejahre aus der Betrachtung. Besser ist die Berücksichtigung des Gesamtschadenaufwands inklusive der Abwicklung.

Versicherer sehen Schadenquoten über 70% kritisch

Da Versicherer neben den Schadenskosten auch Abschluss- und Verwaltungskosten zu berücksichtigen haben, sind Verträge oder Bestände nicht erst ab einer Quote von 100% defizitär. Sanierungsbestrebungen der Versicherer beginnen deshalb oft schon bei Schadenquoten oberhalb von 70%. Im Fuhrparkmanagement gibt es jedoch zahlreiche Möglichkeiten, Gründe für einen schlechten Schadenverlauf zu finden und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel:

  • namentliche Erfassung von Fahrern in der Schadenmeldung, Identifizierung von Fahrern, die besonders häufig in Unfälle verwickelt sind, Durchführung zielgerichteter Nachschulungen
  • Analyse von Schadensmeldungen nach Unfallursache, gegebenenfalls technische Nachrüstung der Fahrzeuge (zum Beispiel Abbiegeassistent)
  • Identifizierung besonders unfallträchtiger Routen, Festlegen alternativer Fahrstrecken

In Zusammenarbeit mit dem Versicherer können auf diese Weise Beitragserhebungen, die Vereinbarung höherer Selbstbeteiligungen im Schadensfall oder eine Vertragskündigung vermieden werden. Bei der Versicherung von Kraftfahrzeugflotten winken bei gutem Schadenverlauf häufig sogar Bonuszahlungen.